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Name: Dante's Inferno
Entwickler: Visceral Games
Publisher: Electronic Arts
Genre: Action-Adventure
USK: 18+
     
Vor mehreren Jahrhunderten schrieb ein gewisser Dante Alighieri die Göttliche Komödie, eine spirituelle Autobiographie in Form einer Reise durch die Hölle, auf den Berg des Fegefeuers und letztendlich zum Paradies. Visceral Games nahm dieses Werk als Vorlage und brachte eigenen Ideen in das Epos, damit der Gamer nicht ständiger Beobachter und Erzähler ist sondern als aktiver Kämpfer mitwirken kann.

Nachdem Dante, der Held im Spiel, seine Dienste für den König vollbracht hat, kehrt er nach Hause zu seiner Geliebten Beatrice zurück. Anstatt sie jedoch glücklich in die Arme zu nehmen, findet Dante sie hinter dem Haus tot auf dem Boden vor. Sprachlos kniet er vor ihrem Leichnam. Ehe er sich versieht entflieht die Seele dem Körper seiner Geliebten und kein Geringerer als Luzifer selbst nimmt sich ihrer an. Dante scheint ein Gelöbnis gebrochen zu haben, weshalb Beatrice nun dem Teufel überlassen werden muss. Verwirrt macht sich Dante auf um Beatrice zu befreien.



Der Kampf des Lebenden unter den Toten
Wie in jedem ordentlichen Action-Adventure beginnt auch Dante's Inferno mit einem Tutorial, dass sich mit dem Fortschritt des Spieles verbindet. Visceral Games spendiert uns insgesamt drei Angriffsknöpfe, wovon zwei die Sense und einer das Kreuz der Beatrice zum Attackieren bringen. Neben diesen Grundausstattungen können im Laufe des Spieles Magien und Modifikationen für stärkere Moves mit Seelen, die von besiegten Gegnern stammen, gekauft werden.

Die diversen Erweiterungen hängen allerdings von eurer Spielart ab. Es wird ein kleines Moralsystem präsentiert, das in Heilig und Unheilig unterteilt ist. Jede Seite kann bis zur siebten Stufe gelevelt werden, allerdings empfehle ich beim ersten Durchspielen sich auf eine Seite zu konzentrieren. Punkte dafür bekommt man, indem Feinde entweder erlöst oder bestraft werden. Während die alltäglichen Widersacher nur einen geringen Teil der Punkte ausmachen, stößt man des öfteren auf gewisse Seelen, deren Schicksal in den Händen des Spielers liegt. Unter diesen verlorenen Geistern befinden sich Berühmtheiten wie zum Beispiel Orpheus. Sollte man nicht genau wissen, was jene Seelen verbrochen haben, wird mit einem kleinen Text nachgeholfen.

Die Vielfalt des Kampfsystems wird durch oben erwähnte Magien bereichert. Zu Beginn ist Dante mit einem Zauber ausgestattet, der ihn mit der Kraft des Kreuzes nach vorn schnellen lässt und allem sich im Weg befindliche Schaden zufügt. Nicht jede Magie konzentriert sich aber auf das Hinzufügen von Schaden. Einige gewähren Dante Immunität und Lebenswiederherstellung, während andere Gegner betäuben. Es kann jeweils einer der vier Hauptknöpfe mit einem Zauber belegt werden, und es gibt weitaus mehr als vier Magien im Spiel.





Im Laufe des Abenteuers findet man auch verschiedene Reliquien, die ähnlich den Zaubern von aktiver oder passiver Natur sind. Manche setzen ein gewisses Heiliges oder Unheiliges Level voraus und können durch Benützung bis zur dritten Stufe erweitert werden.

Als weitere zu sammelnde Gegenstände sind dreißig Judas-Münzen und drei Beatrice Steine verteilt. Letztere bieten nach Vollständigkeit die Auto-Absolution der Feinde. Ich selbst habe beim ersten Durchspielen auf Zelot  genau einen Stein und circa 16 Münzen gefunden, wobei ich eigentlich dachte, dass ich jeden Weg abgegangen bin. So kann man sich irren.

Dante's Inferno lässt sich angesichts der Auseinandersetzungen mit God of War vergleichen, denn es gilt hauptsächlich wie verrückt auf die Knöpfe zu hauen. Natürlich gibt es Kombos, Magien und Spezialattacken, jedoch muss man in den wenigstens Fällen überlegen, wie man sein Gegenüber zur Strecke bringt. Dies bezieht sich vorerst auch nur auf kleine Feinde, während die Bosskämpfe durchaus von der taktischen Seite aus anzugehen sind.

Die Komboangriffe sind jederzeit mit Druck auf L2 zu unterbrechen, wodurch man feindliche Attacken blockt. Das ist ein gutes Beispiel für ein funktionierendes Kampfsystem, denn wen interessiert es schon, ob man nach bzw. während dieser oder jener Animation überhaupt in der Lage wäre zu blocken. Mit dem Kauf des richtigen Moves kann das Abwehren auch zu einem Konter gewandelt werden, der nur mit dem richtigen Timing ausgeführt werden kann. Ist dies gelungen, so stehen mehrere Konterangriffe zur Verfügung, wovon einer zum Beispiel die Dämonen rund um Dante mit einer riesigen Energieexplosion in alle Himmelsrichtungen verteilt.



Als Abschluss zum Kampfsystem sei noch Redemption erwähnt. Eine kleine unschuldige Leiste am linken unteren Bildschirmrand, zu füllen während der Schlachten, lässt sich mit gleichzeitigem Druck auf L1 und R1 aktivieren, wodurch Dante zu glühen beginnt und seine Attacken mit erhöhter Geschwindigkeit ausführt. Wahrlich brauchbar, wenn manch lästige Gegner schnell entsorgt werden sollen.

Um ein wenig Abwechslung zu den stressigen Kämpfen zu bieten, findet man im Spiel Platforming-Einlagen und Rätsel vor. Erstere reichen vom normalen Klettern, über das Schwingen auf Lianen bis hin zu richtig getimten Sprüngen. Doch geht es auch hier manchmal rasant zur Sache, da entweder Dinge beispielsweise zu brennen beginnen oder plötzlich unter einem zusammenbrechen.

Die Denkaufgaben gestalten sich hauptsächlich aus dem Umlegen von Schaltern und Verschieben von Kisten. Nur einmal stach eine Variante stark hervor, die doch sehr an M.C. Escher erinnert.

Wie grausam die Hölle doch sein kann
Visceral Games scheint sich einiges an Mühe gegeben zu haben die Welt, in der Dante sich fortbewegt, möglichst verstörend erscheinen zu lassen. Ich meine, natürlich, wir befinden uns in den neun Kreisen der Hölle, aber das ganze Stöhnen und Fluchen gepaart mit einigen durchaus kranken Charakterdesigns könnte dem ein oder anderen Zocker durchaus zu viel des Guten sein. Aber nicht umsonst ist Dante's Inferno erst ab 18 erhätlich!

Die Levels bestehen meist aus rotschwarz Tönen und bieten selten Abwechslung in Form von Wüsten oder Eiswelten, aber wie ein paar Zeilen oben erwähnt, es ist die Hölle. Die Effekte rund um die Attacken sehen sehr gut aus, wobei ich selbst ein großer Fan vom Spiel mit Licht und Schatten bin. Und diese kommen gerade durch das Kreuz der Beatrice schön zum Vorschein.

Der größte Pluspunkt in Sachen Grafik, der auch das Gameplay erheblich beeinflusst, sind konstante 60 Bilder pro Sekunde. Es ist immer wieder schön Spiele in der Hand zu haben, die selbst nach einigen Stunden die Augen nicht zu sehr strapazieren.

Musikalisch gibt sich Dante's Inferno keine Blöße und beeindruckt mit harmonischen und theatralischen Stücken. Die Soundeffekte unterstützen die mächtigen Attacken ungemein und runden das technische Paket zufriedenstellend ab. Die Alterseinstufung wird auch hier kräftig von kreischenden Babies unterstützt. Fragt einfach nicht.



Extras und kommende Inhalte
Nach meinen knappen 8 Stunden und 30 Minuten auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad Zelot wurden einige Dinge freigeschalten. Da hätten wir den vierten Grad Infernalisch, der nach kurzem Testen die Aggressivität und künstliche Intelligenz der Feinde nicht verändert, jedoch den ausgeteilten Schaden drastisch erhöht. Es braucht circa drei Schläge, bis eine bereits erweiterte Energieleiste komplett gegen Null sinkt. Meiner Meinung nach nicht die beste Lösung um die Schwierigkeit zu erhöhen.

Die erweiterte Energieleiste kommt durch die Option namens Resurrection Mode zum Tragen, die nichts anderes als NewGame+ bedeutet. Man kann also beim erneuten Durchzocken, wobei man allerdings direkt bei den neun Kreisen der Hölle beginnt, die bereits gelevelten Attacken mitnehmen und so einen perfekten Dante erreichen.

Ein neuer Spielmodus gesellt sich auch noch zu den Errungenschaften hinzu. Betitelt mit Gates of Hell kämpft man Level für Level gegen bestimmte Gegnerwellen unter Zeitdruck. Beendet man eine Stufe ohne Schaden oder erlöst die Kreaturen, so wird ein Zeitbonus gutgeschrieben. Die dort gesammelten Seelen können auch für das Freischalten von neuen Attacken genutzt werden.

Visceral Games gab bereits bekannt, dass man im Moment nicht an einer Fortsetzung arbeitet, sondern viel lieber das Spiel selbst erweitern möchte. Der erste Schritt dazu sind die Trials of St. Lucia. Dieser Modus lässt zusammen mit einem Freund per Online-Coop durch Horden an Gegner und Herausforderungen spielen. Sei das noch nicht genug, wird man auch einen Challenge Creator mitliefern, der ähnlich wie jene Zusatzlevels in Little Big Planet von Gamern genutzt werden kann. In einem Metasystem lassen sich die auf den EA-Servern befindlichen Herausforderungen bewerten. Beispiele dafür sind bereits im Spiel gegen Ende vorhanden. Der Creator soll sehr einfach zu bedienen und nur durch die eigene Vorstellungskraft limitiert sein. Im April soll Trials of St. Lucia als Download bereit stehen.

Fazit
Dante's Inferno hat aufgrund seines soliden Gameplays, der Anlehnung an die göttliche Komödie und der verstörten Welten durchaus unterhalten. Die Brutalität sucht, wahrscheinlich zumindest bis God of War 3, im Moment noch Ihresgleichen. Die Altersangabe von 18 Jahren ist durchaus ernst zu nehmen, Kinder bis Jugendliche sollten dieses Werk wenn möglich nicht in ihren Händen halten.

Auch wenn die Bosskämpfe riesige Ausmaße hatten, gelang dem Spiel nicht ganz das Epische überzeugt zu übermitteln. In dieser Hinsicht hat God of War noch die Nase vorne.

Nichtsdestotrotz ist Dante's Inferno ein weiteres, gutes Game, dass sich acht Stunden eurer Zeit verdient hat. Wenn es mit den überdurchschnittlich tollen Spielen auch in der in der zweiten Jahreshälfte 2010 so weitergeht, dann weiß ich nicht, woher wir Gamer die Zeit nehmen sollen. Dies soll jetzt aber keine Klage sein, immer her mit der Software!  [ 8 ] 10: Sublime
  9: Outstanding
  8: Excellent
  7: Great
  6: Good
  5: Average
  4: Poor
  3: Terrible
  2: Awful
  1: Why bother?



  
 Konstante 60 Bilder pro Sekunde
 Solides Kampfsystem
 Herrlich verstörte Levels
 
 Versucht zu wenig eigenständig zu sein